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Lied I: Si ist ze allen êren
1
Si ist ze allen êren ein wîp wol erkant,
schoener gebaerde, mit zühten gemeit,
sô daz ir lop in dem rîche umbe get.
alse der mân wol verre über lant liuhtet
des nahtes wol lieht unde breit,
sô daz sîn schîn al die welt umbevet,
Als ist mit güete
umbevangen diu schône. des
man ir jêt,
si ist aller wîbe ein krône.
2
Diz lop beginnet vil vrouwen versmân, daz
ich die mîne vür alle andriu wîp
hân zeiner krône gesetzet sô hô,
unde ich der deheine ûz genomen hân.
des ist vil lûter vor valsche ir der lîp,
smal wol ze mâze, vil fier unde vrô.
Des muoz ich in ir genâden
belîben, gebiutet si sô,
mîn liebest vor
allen wîben.
3
Got lâze sî mir vil lange gesunt,
die ich an wîplîcher staete noch ie vant,
sît si mîn lîp ze einer vrowen
erkôs.
wol ir vil süezer -- vil rôt ist ir der munt,
ir zene wîze ebene -- verre bekant,
durch die ich gar alle unstaete verkôs,
Dô man si lobte
als reine unde wîse, senfte
unde lôs; dar
umbe ich si noch prîse.
4
Ir tugent reine ist der sunnen gelîch, diu
trüebiu wolken tuot liehte gevar,
swenne in dem meien ir schîn ist sô
klâr.
des wirde ich staeter vröide vil rîch,
daz überliuhtet ir lop alsô gar
wîp unde vrowen die besten vür wâr,
Die man benennet in tiuschem
lande. verre unde nâr
sô ist si ez, diu
baz erkande.
Lied II: Mîn liebeste und ouch mîn êrste
1
Mîn liebeste und ouch mîn êrste
vreude was ein wîp, der ich mînen
lîp gap ze dienste iemer mê.
daz hôhste und ouch daz hêrste
an dem herzen mîn,
seht, daz muoz si sîn,
der ich selten vrô gestên.
Ir tuot leider wê
beide mîn sprechen
und mîn singen.
des muoz ich an vreuden mich nu twingen
unde trûren, swar ich gê.
2
Waer ir mit mîme sange wol, sô sunge
ich ir. sus verbôt siz mir,
und ir taete mîn swîgen baz.
nu swîge aber ich ze lange.
solde ich singen mê,
daz taete ich als ê.
wie zimt mîner vrouwen daz,
Daz si mîn vergaz
und verseite mir ir hulde?
ôwê
des, wie rehte unsanfte ich dulde
beide ir spot unde ouch ir haz!
3
Nu râtent, liebe vrouwen, waz ich singen
muge, sô daz ez iuch tuge!
sanc ist âne vreude kranc.
ich enhân niht wan ein schouwen
von ir (und den gruoz),
den si teilen muoz
al der welte sunder danc.
Diu zît ist ze lanc
âne vreude und âne wunne.
nû lâ
sehen, wer mich gelêren kunne,
daz ich singe niuwen sanc!
4
Vil wîplîch wîp, nu wende mîne
sende klage, die ich tougen trage,
dû weist wol, wie lange zît.
ein saelden rîchez ende,
wirt mir daz von dir,
sô siht man an mir
vröide âne allen widerstrît,
Sît daz an der lît
mînes herzen hôchgemüete.
maht du
troesten mich dur wîbes güete,
sît dîn trôst mir vröide gît?
5
Ich sihe wol, daz mîn vrouwe mir ist vil
gehaz. doch versuoche ichz baz,
in verdiene ir werden gruoz.
des ich ir wol getrouwe,
daz hât sî versworn.
ir ist leider zorn,
daz ichz der werlte künden muoz,
Daz ich niemer vuoz
von ir dienste mich gescheide,
ez kom mir ze liebe alder
ze leide. lîhte wirt mir swaere
buoz.
Lied III: Het ich tugende niht sô vil
1
Het ich tugende niht sô vil von ir vernomen
und ir schoene niht sô vil gesehen,
wie waere sî mir danne alsô ze herzen komen?
ich muoz iemer dem gelîche spehen,
Als der mâne tuot, der sînen schîn
von des sunnen schîn
enpfât,
als kumt mir dicke
ir wol liehten ougen blicke
in daz herze mîn, dâ si
vor mir gât.
2 (Gênt) ir wol liehten ougen in daz herze mîn,
sô kumt mir diu nôt, daz ich muoz klagen.
solde aber ieman an im selben schuldic sîn,
sô het ich mich selben selbe erslagen,
Dô ichs in mîn herze nam
und ich sî vil gerne sach
-- noch gerner
danne ich solde --,
und ich des niht mîden wolde,
in hôhte ir lop, swâ manz
vor mir sprach.
3
Mîme kinde wil ich erben dise nôt
und diu klagenden leit, diu ich hân von ir.
waenet si danne ledic sîn, ob ich bin tôt,
ich lâze einen trôst noch hinder mir,
Daz noch schoene werde mîn sun,
daz er wunder an ir begê,
alsô
daz er mich reche
und ir herze gar zerbreche,
sô sîn sô rehte schoenen
sê.
Lied IV: In sô hôher swebender wunne
1
In sô hôher swebender wunne sô
gestuont mîn herze ane vröiden nie.
ich var, als ich vliegen kunne, mit gedanken iemer
umbe sie, Sît daz mich ir trôst enpfie,
der mir durch die sêle mîn
mitten in daz herze gie.
2
Swaz ich wunneclîches schouwe, daz spile
gegen der wunne, die ich hân.
luft und erde, walt und ouwe suln die zît
der vröide mîn enpfân. Mir ist
komen ein hügender wân
und ein wunneclîcher trôst, des mîn
muot sol hôhe stân.
3
Wol dem wunneclîchen maere, daz sô
suoze durch mîn ôre erklanc,
und der sanfte tuonder swaere, diu mit vröiden
in mîn herze sanc, Dâ von mir ein
wunne entspranc, diu vor liebe alsam
ein tou mir ûz von den ougen dranc.
4
Saelic sî diu süeze stunde, saelic
sî diu zît, der werde tac,
dô daz wort gie von ir munde, daz dem herzen
mîn sô nâhen lac, Daz mîn
lîp von vröide erschrac,
und enweiz von liebe joch, waz ich von ir sprechen
mac.
Lied V: Von den elben
1
Von den elben wirt entsehen vil manic man, sô
bin ich von grôzer liebe entsên
von der besten, die ie dehein man ze vriunt gewan.
wil aber sî der umbe mich vên
Und ze unstaten stên, mac
si danne rechen sich und tuo, des
ich si bite. sô vreut si sô sêre mich,
daz mîn lîp vor wunnen muoz zergên.
2
Sî gebiutet und ist in dem herzen mîn
vrowe und hêrer, danne ich selbe sî.
hei wan muoste ich ir alsô gewaltic sîn,
daz si mir mit triuwen waere bî
Ganzer tage drî unde eteslîche
naht! sô verlür
ich niht den lîp und al die maht. jâ
ist si leider vor mir alze vrî.
3
Mich enzündet ir vil liehter ougen schîn,
same daz viur den durren zunder tuot,
und ir vremeden krenket mir daz herze mîn
same daz wazzer die vil heize gluot. Und
ir hôher muot und ir schoene
und ir werdecheit und daz wunder,
daz man von ir tugenden seit,
daz wirt mir vil übel -- oder lîhte guot?
4
Swenne ir liehten ougen sô verkêrent sich,
daz si mir aldur mîn herze sên,
swer dâ enzwischen danne gêt und irret mich,
dem muoze al sîn wunne gar zergên!
Ich muoz vor ir stên
unde warten der vröiden mîn
rehte alsô des tages diu kleinen vogellîn.
wenne sol mir iemer liep geschên?
Lied VI a: West ich, ob ez verswîget möhte sîn
1
West ich, ob ez verswîget möhte sîn,
ich lieze iuch sehen mîne schoene vrouwen,
der enzwei braeche mir daz herze mîn, der
möhte sî schône drinne schouwen.
Si kam her dur diu ganzen ougen [ ]
sunder tür gegangen.
ôwê,
solde ich von ir süezen minne sîn
als minneclîch enpfangen!
2
Der sô lange rüeft in einen touben walt,
ez antwürt im dar ûz eteswenne.
nû ist diu klage vor ir dicke manicvalt
gegen mîner nôt, swie sis niht erkenne.
Doch klaget ir maniger mînen kumber
vil dicke mit gesange.
ôwê,
jâ hât sî geslâfen allez her
alder geswigen alze lange.
3
Waer ein sitich alder ein star, die mehten sît
gelernet hân, daz si spraechen
minnen.
ich hân ir gedienet her vil lange zît.
mac sî sich doch mîner rede versinnen?
Nein sî, niht, got enwelle ein
wunder vil verre an
ir erzeigen.
jâ möht ich sît einen boum
mit mîner bete
sunder wâpen nider geneigen.
Lied VI b: Der alsô vil geriefe
1
Der alsô vil geriefe in einen touben walt,
ez antwürte ime dar ûz eteswenne.
nû (ist) der schal dicke vor ir manicvalt
von mîner nôt. wil si die bekennen?
Nein, si entuot, got der welle
ein wunder sîn
vil verre an ir erzeigen.
jâ mohte ich baz einen boum mit mîner
bete sunder wâfen
nider geneigen.
*2
Wist ich, obe ez mohte wol verswigen sîn,
ich lieze iuch sehen mîne lieben vrouwen,
der enzwei braeche mir daz herze mîn, der
mohte sî schône drinne schouwen.
Si kam her dur diu ganzen ougen mîn
sunder tür gegangen.
ôwê,
solte ich von ir reinen minnen sîn
alsô werdeclîche enpfangen!
Lied VII: Ez ist site der nahtegal
1
Ez ist site der nahtegal, swanne sî ir liep
volendet, sô geswîget sie.
dur daz volge aber ich der swal, diu durch liebe
noch dur leide ir singen nie verlie.
Sît daz ich nu singen sol,
sô mac ich von schulden sprechen wol:
"ôwê,
daz ich ie sô vil gebat
und gevlêhte
an eine stat, dâ
ich genâden nienen sê."
2
Swîge ich unde singe niet, sô sprechent
sî, daz mir mîn singen zaeme baz.
sprich aber ich und singe ein liet, sô muoz
ich dulden beide ir spot und ouch ir haz.
Wie sol man den nû geleben,
die dem man mit schoener rede vergeben?
ôwê,
daz in ie sô wol gelanc,
und ich
lie dur si mînen sanc!
ich wil singen aber als ê.
3
Owê mîner besten zît und owê
mîner liehten wunneclîchen tage!
waz der an ir dienste lît! nu jâmert
mich vil manger senelîcher klage,
Die si hât von mir vernomen
und ir nie ze herzen kunde komen.
owê,
mîniu gar verlornen jâr!
diu riuwent
mich vür wâr.
in verklage si niemer mê.
4
Ir lachen und ir schoene ansehen und ir guot gebaerde
hânt betoeret lange mich.
in kan anders niht verjehen. swer mich ruomes
zîhen wil, vür wâr, der sündet sich.
Ich hân sorgen vil gepflegen
und den vrouwen selten bî gelegen,
owê,
wan daz ich si
gerne an sach
und in ie daz beste sprach.
mir enwart ir nie niht mê.
5
Ez ist niht, daz tiure sî, wan habe ez deste
werder, wan den getriuwen man.
der ist leider swaere bî. er ist verlorn,
swer nû niht wan mit triuwen kan.
Des wart ich vil wol gewar,
wand ich ir mit triuwen ie diente dar.
owê,
daz ich triuwen nie genôz!
des stên
ich vröiden blôz.
doch diene ich, swie ez ergê.
*6
Ob ich si dûhte hulden wert, sôn möhte
mir zer werlte lieber niht geschên.
het ich an got sît genâden gert, sin
könden nâch dem tôde niemer mich vergên.
Herumbe ich niemer doch verzage.
ir lop, ir êre unz an mîn
ende ich singe und sage.
waz,
(ob) si sich bedenket baz?
unde taete si liebe daz,
sô verbaere ich
alle klage.
Lied VIII: Sach ieman die vrouwen
1
Sach ieman die vrouwen,
die man mac schouwen in dem venster stân?
diu vil wolgetâne
diu tuot mich âne sorgen,
die ich hân.
Si liuhtet sam der sunne tuot
gegen dem liehten morgen.
ê was si verborgen.
dô
muost ich sorgen. die wil ich nu lân.
2
Ist aber ieman hinne,
der sîne sinne her behalten habe?
der gê nach der schônen,
diu mit ir krônen gie
von hinnen abe; Daz
si mir ze trôste kome,
ê daz ich verscheide.
diu liebe und diu leide
diu wellen
mich beide vürdern hin ze grabe.
3
Wan sol schrîben kleine
reht ûf dem steine, der mîn grap bevât,
wie liep sî mir waere
und ich ir unmaere; swer
danne über mich gât,
Daz der lese dise nôt
und ir gewinne künde,
der vil
grôzen sünde
die sî an ir vründe her
begangen hât.
Lied IX: Sîn hiez mir nie widersagen
1
Sîn hiez mir nie widersagen unde warp iedoch
unde wirbet noch hiute ûf den
schaden mîn.
des enmac ich langer niht verdagen, wan si wil
ie noch elliu lant behern und sîn
ein rouberîn.
Daz machent alle ir tugende und ir schoene, die mengem man
tuont wê.
der sî an siht, der
muoz ir gevangen sîn
und in sorgen leben iemer mê.
*2
In den dingen ich ir dienstman und ir eigen was
dô, dô ich sî
dur triuwe und dur guot an sach,
dô kam si mit ir minnen an und vienc
mich alsô, dô si mich
wol gruozte und wider mich sô sprach.
Des bin ich an vröiden siech und an herzen
sêre wunt;
und ir ougen klâr
diu hânt mich beroubet gar
und ir rôsevarwer rôter
munt.
Lied X: Ich hân sî vür alliu wîp
1
Ich hân sî vür alliu wîp
mir ze vrowen und ze liebe erkorn.
minneclîch ist ir der lîp. seht, durch
daz sô hab ich des gesworn,
Daz mir in der welt (niht)
niemen (solde) lieber sîn.
swenne aber sî mîn ouge an siht,
seht, sô tagt ez
in dem herzen mîn.
2
'Owê des scheidens, daz er tet von mir,
dô er mich vil senende lie.
wol aber mich der lieben bet und des weinens,
daz er dô begie, Dô
er mich trûren lâzen bat
und hiez mich in vröiden sîn.
von sînen trehenen wart ich nat
und erkuolte iedoch daz
herze mîn.'
3
Der dur sîne unsaelicheit iemer arges iht
von ir gesage,
dem müeze allez wesen leit, swaz er minne
und daz im wol behage. Ich vluoche
in, unde schadet in niht,
dur die ich ir muoz vrömde sîn.
als aber sî mîn ouge an siht,
sô taget ez in dem herzen
mîn.
4
'Owê, waz wîzent si einem man, der
nie vrowen leit noch arc gesprach
und in aller êren gan? durch daz müet
mich sîn ungemach, Daz si
in sô schône grüezent wal
und zuo ime redende gânt
und in doch als einen bal
mit boesen worten umbe slânt.'
Lied XI a: Ich bin iemer ander
1
Ich bin iemer ander und niht eine der grôzen
liebe, der ich nie wart vrî. waeren nû die
huotaere alle gemeine toup unde blint, swenne
ich ir waere bî, Sô
mohte ich mîn leit
eteswenne mit sange ir wol künden.
mohte ich mich mit rede zuo ir gevründen,
sô wurde wunders vil von mir geseit.
2
Sî ensol niht allen liuten lachen alsô
von herzen, same si lachet mir,
und ir ane sehen sô minneclîch niht machen.
waz (hât) aber ieman ze schouwen daz an ir,
Der ich leben sol
unde an der ist mîn wunne
behalten? jâ
enwil ich niemer des eralten, swenne
ich si sihe, mir sî von herzen wol.
3
Sît si herzeliebe heizent minne, so enweiz
ich, wie diu liebe heizen sol.
liebe won mir dicke in mînen sinnen. liep
haet ich gerne, leides enbaere ich wol.
Liebe diu gît mir
hôhen muot, dar zuo vreude unde wunne.
sô enweiz ich, waz diu
leide kunne, wan daz ich iemer trûren
muoz von ir.
Lied XI b: Ich iemer der ander
1
Ich bin iemer der ander, niht der eine der grôzen
liebe, der ich nie wart vrî. ôwê, waeren die
huotaere algemeine toup unde blint, swenne ich
ir waere bî, Sô möhte
ich mîn leit
eteswenne mit gelâze ir künden
unde mich mit rede zuo ir gevründen,
sô wurde ir wunder vil von mir
geseit.
2
Mîner ougen tougenlîchez sehen, daz
ich ze boten an si senden muoz,
daz neme durch got von mir vür ein vlêhen,
und obe si lache, daz sî mîn gruoz.
Ich enweiz, wer dâ sanc:
"ein sitich unde ein star âne
sinne wol gelerneten,
daz siu sprâchen 'minne'."
wol, sprich daz unde habe des iemer danc.
3
Wolte sî mîn denken vür daz sprechen
und mîn trûren vür die klage verstân,
sô müese in der niuwen rede gebrechen.
owê, daz iemen sol vür vuoge hân,
Daz er sêre klage,
daz er doch von herzen niht meinet,
alse einer trûret unde
weinet unde er sîn niemen
kan gesagen.
4
Sît siu herzeliebe heizent minne, so enweiz
ich niht, wie diu liebe heizen sol.
herzeliebe wont in mînem sinne. liep hân
ich gerne, leides enbaere ich wol.
Diu guote diu gît mir
hôhen muot, dar zuo vröide unde wunne.
sô enweiz ich, waz diu
liebe kunne, wan daz ich iemer trûren
muoz nâch ir.
5
Sî ensol niht allen liuten lachen alse von
herzen, sam si lachet mir,
und ir ane sehen sô minneclîchen machen.
waz hât aber ieman daz ze schouwen an ir,
Der ich leben sol,
und an der ist al mîn wunne behalten?
joch enwil ich niemer
des eralten, swenne ich si sîhe,
mir ensî von herzen wol.
Lied XII: Ist ir liep mîn leit
1
Ist ir liep mîn leit und mîn ungemach,
wie kan ich danne iemer mêre rehte werden vrô?
sî getrûrte nie, swaz sô mir geschach.
klaget ich ir mîn jâmer, sô stuont ir daz
herze hô. Sîst noch hiute vor den
ougen mîn, alse sî was dô,
dô si minneclîche mir zuo sprach
und ich si ane sach. ôwê, solte ich
iemer stên alsô.
2
Sî hât liep ein kleine vogellîn,
daz ir singet oder ein lützel nâch ir sprechen
kan.
muost ich dem gelîch ir heimlich sîn,
sô swüere ich des wol, daz nie vrowe solhen vogel gewan.
Vür die nahtegal wolte ich hôhe singen
dan: "ôwê, liebe schoene vrowe mîn,
nû bin ich doch dîn, mahtu troesten
mich vil senenden man!"
3
Sîst mit tugenden und mit werdecheit sô
behuot vor aller slahte unvrowelîcher tât,
wan des einen, daz si mir verseit ir gnâde
unde mînen dienest sô verderben lât.
Wol mich des, daz sî mîn herze sô besezzen
hât,
daz der stat dâ nieman wirt bereit
als ein hâr sô breit, swenne ir rehtiu
liebe mich bestât.
(4) †Hôher wunne hât uns got gedâht
an den reinen wîben, die er in rehter güete werden lie.
daz vil manigen herzen wol ist kunt.
von ir rôten munt ist gehoehet dicke mir der muot.†
Von ir schoene kumt, swaz iemen vröiden hât.
dâ von müezens iemer geêret
sîn, sît diu vröide
mîn gar an einer hôchgelobten stât.
Lied XIII: Leitlîche blicke
1
Leitlîche blicke unde grôzlîche riuwe
hânt mir daz herze und den lîp nâch
verlorn.
mîn alte nôt die klagte ich vür niuwe,
wan daz ich vürhte der schimpfaere zorn.
Singe aber ich dur die, diu mich vrowet
hie bevorn,
sô velsche dur got nieman mîne triuwe,
wan ich dur sanc bin ze der welte geborn.
2
Maniger der sprichet: "nu sehent, wie der singet!
waere ime iht leit, er taete anders danne sô."
der mac niht wizzen, waz mich leides twinget.
nu tuon aber ich rehte, als ich tet aldô.
Dô ich in leide stuont, dô huop sî
mich gar unhô.
diz ist ein nôt, diu mich sanges betwinget.
sorge ist unwert, dâ die liute sint vrô.
3
Diu mînes herzen ein wunne und ein krôn ist
vor allen vrowen, die ich noch hân gesehen,
schoene unde schoene, diu liebe aller schônist
ist sî, mîn vrowe; des hoere ich ir jehen.
Al diu welte si sol durch ir schoene
gerne sehen.
noch waere zît, daz du mir, vrowe, lônist.
ich kan mit lobe anders tôrheit verjehen.
4
Stên ich vor ir unde schouwe daz wunder,
daz got mit schoene an ir lîp hât getân,
sô ist des sô vil, daz ich sihe dâ besunder,
daz ich vil gerne wolt iemer dâ stân.
Ôwê, sô muoz ich vil
trûric scheiden dan,
sô kumt ein wolken sô trüebez dar under,
daz ich des schînen von ir niht enhân.
Lied XIV: Mîn herze, ir schoene und diu minne
Mîn herze, ir schoene und diu minne habent gesworn
zuo ein ander, des ich waene, ûf mîner vröuden
tôt.
zwiu habent diu driu mich einen dar zuo erkorn?
ôwê, minne, gebent ein teil der lieben mîner nôt,
Teilent si ir sô mite, daz sî gedanke
ouch machen rôt.
wünsche ich ir senens nû? daz waere bezzer verborn.
lîhte ist ez ir zorn, sît ir wort
mir deheinen kumber gebôt.
Lied XV: Ez tuot vil wê
1
Ez tuot vil wê, swer herzeclîche minnet
an sô hôher stat, dâ sîn dienst
gar versmât.
sîn tumber wân vil lützel dar ane gewinnet,
swer sô vil geklaget, daz ze herzen
niht engât.
Er ist vil wîse, swer sich sô wol versinnet,
daz er dient, dâ man sîn dienst
wol enpfât, und sich dar l â t,
dâ man sîn genâde hât.
2
Ich bedarf vil wol, daz ich genâde vinde,
wan ich hab ein wîp ob der sunnen mir erkorn.
dêst ein nôt, die ich niemer überwinde,
(sîn) gesaehe mich ane, als si tet
hie bevorn.
Si ist mir liep gewest dâ her von kinde,
wan ich wart dur sî und durch anders niht geborn.
ist ir daz z o r n,
daz weiz got, sô bin ich verlorn.
3
Wâ ist nu hin mîn liehter morgensterne?
wê, waz hilfet mich, daz mîn sunne ist
ûf gegân?
si ist mir ze hôh und ouch ein teil ze verne
gegen mittem tage unde wil dâ lange stân.
Ich gelebte noch den lieben âbent gerne,
daz si sich her nider mir ze trôste wolte lân,
wand ich mich h â n
gar verkapfet ûf ir wân.
Lied XVI: Wê, wie lange sol ich ringen
1
Wê, wie lange sol ich ringen umbe ein wîp,
der i c h noch nie wort zuo gesprach?
wie sol mir an ir gelingen? seht, des wundert
m i c h , wan es ê niht geschach,
Daz ein man also tobt, als ich tuon
zaller zît,
daz ich sî sô herzeclîche minne
und es ê nie gewuoc und ir dient iemer sît.
2
Ich weiz vil wol, daz si lachet, swenne ich vor
ir stân und enweiz, wer ich bin.
sa zehant bin ich geswachet, swenne ir schoene
nimt mir sô gar mînen sin.
Got weiz wol, daz si noch mîniu wort nie vernam,
wan daz ich ir diende
mit gesange, sô ich beste
kunde, und als ir wol gezam.
3
Owê des, waz rede ich tumme? daz
ich niht enrette als ein saeliger man!
sô swîge ich rehte als ein stumme,
der von sîner nôt niht gesprechen enkan,
Wan daz er mit der hant sîniu wort tiuten
muoz. als erzeige
ich ir mîn wundez herze unde
valle vür sî unde nîge ûf ir vuoz.
Lied XVII: Owê, war umbe volg ich tumbem wâne
1
Owê, war umbe volg ich tumbem wâne,
der mich sô sêre leitet in die nôt?
ich schiet von ir gar aller vröiden âne,
daz sî mir trôst noch helfe nie gebôt.
Doch wart ir varwe liljen wîz und rôsen rôt,
und saz vor mir diu liebe wolgetâne,
geblüet reht alsam ein voller mâne:
daz was der ougen wunne und des herzen tôt.
2
Mîn staeter muot gelîchet niht dem winde.
ich bin noch, als sî mich hât verlân,
vil staete her von einem kleinen kinde, swie wê
si mir nu lange hât getân, Als swîgende
iegenôte, und ein verholner wân.
wie dicke ich mich der tôrheit underwinde,
swanne ich vor ir stân und sprüche ein wunder vinde,
und muoz doch von ir ungesprochen gân?
3
Ich hân sô vil gesprochen und gesungen,
daz ich bin müede und heis von der klage.
in bin umbe niht wan umb den wint betwungen, sît
sî mir niht geloubet, daz ich sage, Wie
ich si minne, und wie ich ir holdez herze trage.
deswâr, mirn ist nâch werde niht gelungen.
hete ich nâch gote ie halp sô vil gerungen,
er naeme mich zuo zim. ach mîner tage!
Lied XVIII: Diu vil guote
1
Diu vil guote, daz si saelic müeze sîn!
wê der huote, diu der welte sô
liehten schîn An ir
hât benomen, daz man si niht wan selten sêt,
sô diu sunne, diu des âbendes
under gêt.
2
Ich muoz sorgen, wen diu lange naht zergê
gegen dem morgen, daz ichs einest an gesê,
Mîn vil liebe sunnen, diu mir
sô wunnenclîchen taget,
daz mîn ouge ein trüebez wolken wol verklaget.
3
Swer der vrouwen hüetet, dem künde ich
den ban;
wan durch schouwen sô geschuof si (got)
dem man, Daz si waer ein spiegel,
al der werlde ein wunne gar. waz
sol golt begraben, des nieman wirt gewar?
4
Wê der huote, die man reinen wîben
tuot!
† huote machet
staete vrouwen wankelmuot. †
Man sol vrouwen schouwen unde lâzen
âne twanc. ich sach, daz ein
sieche verboten wazzer tranc.
5
Ascholoie diu vil guote heizet wol.
erst von Troie Paris, der si minnen sol.
Obe er kiesen solde under den schoenesten,
die nu leben sô wurde ir der
apfel, waer er unvergeben.
Lied XIX: Vrowe, wilt du mich genern
Vrowe, wilt du mich genern, sô sich mich
ein vil lützel an.
ich enmac mich langer niht erwern, den lîp
muoz ich verlorn hân. Ich
bin siech, mîn herze ist wunt. vrowe, daz
hânt mir getân mîn
ougen und dîn rôter munt.
Lied XX: Vrowe, mîne swaere sich
Vrowe, mîne swaere sich, ê ich verliese
mînen lîp.
ein wort du spraeche wider mich: verkêre
daz, du saelic wîp! Du sprichest
iemer neinâ neinâ nein,
neinâ neinâ nein. daz
brichet mir mîn herze enzwein.
maht du doch eteswenne sprechen jâ,
jâ jâ jâ jâ
jâ jâ jâ?
daz lît mir an dem herzen nâ.
Lied XXI: Ob ich dir vor allen wîben
1
Ob ich dir vor allen wîben guotes gan, sol
ich des engelten, vrouwe, wider dich,
stê daz dîner güete saeliclîchen an,
sô lâz iemer in den ungenâden mich.
Hab ich dar an missetân, die schulde rich,
daz ich lieber liep zer werlte nie gewan: nâch
der liebe sent (ie) mîn herze sich.
2
Ob ich iemer âne hôchgemüete bin,
waz ist ieman in der werlte deste baz?
gênt mir mîne tage mit ungemüete hin,
die nâch vröiden ringent, den gewirret daz.
Jâ, wirt daz ir u n g e w i n,
der valschen haz.
die verkêrent underwîlent mir den sin:
nieman solde nîden, ern wiste waz!
3
Vrowe, ob dû mir niht die werlt erleiden wil,
sô rât unde hilf, mir ist ze lange wê,
sît si jehent, ez sî niht ein kinde spil,
dem ein wîp sô nâhen an sîn herze
gê. Ich erkande mâze v i l
der sorgen ê,
disiu sorge gêt mir vür der mâze zil:
hiute baz und aber danne über morgen wê.
4
Ich habe ir vil grôzer dinge her verjehen,
herzeclîcher minne und ganzer staetekeit.
des half mir diu rehte herzeliebe spehen. wol
mich, hab ich al der werlte wâr geseit.
Habe ich dar an missesehen, dâst mir leit.
mir mac elliu saelde noch von ir geschehen: in
weiz niht, waz schoener lîp in herzen treit.
Lied XXII: Ich waene, nieman lebe
1
Ich waene, nieman lebe, der mînen kumber weine,
den ich eine trage,
ez entuo diu guote, die ich mit triuwen meine,
vernimt si mîne klage. Wê,
wie tuon ich sô, daz ich sô herzeclîche
bin an sî verdâht, daz ich ein
künicrîche
vür ir minne niht ennemen wolde,
ob ich teilen unde weln solde?
2
Swer mir des verban, obe ich si minne tougen,
seht, der sündet sich.
swen ich eine bin, si schînt mir vor den ougen.
sô bedunket mich,
Wie si gê dort her ze mir aldur die mûren.
ir rede und ir trôst enlâzent mich
niht trûren.
swenne si wil, sô vüeret sî mich hinnen
zeinem venster hôh al über
die zinnen.
3
Ich waene, si ist ein Vênus hêre, die ich dâ minne,
wan si kan sô vil.
sî benimt mir beide vröide und al die sinne.
swenne sô si wil, Sô
gêt sî dort her zuo einem vensterlîne
unde siht mich an reht als der sunnen schîne.
swanne ich sî danne
gerne wolde schouwen,
ach, sô gêt si dort zuo andern vrouwen.
4
Dô si mir alrêrst ein hôchgemüete sande
in daz herze mîn,
des was bote ir güete, die ich wol erkande,
und ir liehter schîn Sach
mich güetlîch an mit ir spilnden ougen,
lachen sî began ûz rôtem munde tougen.
sa zehant enzunte sich
mîn wunne, daz
mîn muot stêt hôhe sam diu sunne.
5
Wê, waz rede ich? jâ ist mîn geloube boese
und ist wider got.
wan bite ich in des, daz er mich hinnen loese?
ez was ê mîn spot.
Ich tuon sam der swan, der singet, swenne er stirbet.
waz ob mir mîn sanc daz lîhte
noch erwirbet, swâ
man mînen kumber sagt ze maere,
daz man mir erbunne mîner swaere?
Lied XXIII: Ich hôrte ûf der heide
1
Ich hôrte ûf der heide lûte
stimme und süezen sanc.
dâ von wart ich beide vröiden rîch
und an trûren kranc. Nâch der mîn
g e d a n c sêre
r a n c unde swanc, die
vant ich ze tanze, dâ si sanc. âne
leide ich dô spranc.
2
Ich vant sî verborgen eine und ir wengel
von trehen naz,
dâ si an dem morgen mînes tôdes
sich vermaz. Der vil lieben h a z
tuot mir b a z danne daz,
dô ich vor ir kniewete, dâ si saz
und ir s o r g e n
(gar) vergaz.
3
Ich vant si an der zinne eine, und ich was zuo
zir gesant.
dâ mehte ichs ir minne wol mit vuoge hân
gepfant. Dô wânde ich diu l a n t
hân verb r a n t sâ
zehant, wan daz mich ir süezen minne bant
an den s i n n e n
hât erblant.
Lied XXIV: Solde ich iemer vrowen leit
1
Solde ich iemer vrowen leit alder arc gesprechen,
daz hât sî verschuldet wol,
diu daz hât von mir geseit, daz ich singe
owê von der ich iemer dienen sol.
Si ist des liehten meien schîn
und mîn ôsterlîcher tac.
swenne ich sî an sihe, sô
lachet ir daz herze mîn.
2
Mîn vrowe ist s ô genaedic wol,
daz si mich noch tuot von allen mînen sorgen
vrî.
des bin ich v r ô reht als ich sol.
ich waene, nieman lebe, der in sô ganzen vröiden
sî. Wol ir hiute unde iemer
mê! alsô
sprich ich und wünsche ir des,
diu mir hât benomen mit vröiden gar mîn alt owê.
3
Swaz ich s i n g e ald swaz ich
sage, sône wil si doch niht troesten mich
vil senden man.
des muoz ich r i n g e n mit
der klage unde mit der nôt, die ich selbe
mir geschaffet hân. Sô
ist siz doch diu vrowe mîn:
ich binz, der ir dienen sol,
unde wünsche ir des, dazs iemer saelic müeze sîn.
Lied XXV: Uns ist zergangen
1
Uns ist zergangen der lieplîch sumer.
dâ man brach bluomen, da lît nu der snê.
mich muoz belangen, wenne sî mînen kummer
welle volenden, der mir tuot so wê.
Jâ klage ich niht den klê,
swenne ich gedenke an ir wîplîchen wengel,
diu man ze vröide so gerne ane sê.
2
Seht an ir ougen und merkent ir kinne,
seht an ir kele wîz und prüevent ir munt.
Si ist âne lougen gestalt sam diu minne.
mir wart von vrouwen so liebez nie kunt.
Jâ hât si mich verwunt
sêre in den tôt. ich verliuse die sinne.
genâde, ein k ü n i g i n n e,
du tuo mich gesunt.
3
Die ich mit gesange hie prîse unde kroene,
an die hât got sînen wunsch wol geleit.
in gesach nu lange nie bilde alsô schoene
als ist mîn vrowe; des bin ich gemeit.
Mich vröit ir werdekeit
baz danne der meie und alle sîn doene, die
die vogel singent; daz sî iu geseit.
Lied XXVI: Mich wundert harte
1
Mich wundert harte,
daz ir alse zarte kan lachen der munt.
ir liehten ougen
diu hânt âne lougen mich senden verwunt.
Diu brach alse tougen
al in mîns herzen grunt.
dâ wont diu guote
vil sanfte gemuote. des bin ich
ungesunt.
*2
Swenne ich vil tumber
ir tuon mînen kumber mit sange bekant,
sô ist ez ein wunder,
daz sî mich tuot under
mit rede zehant. Swenne
ich si hoere sprechen,
sô ist mir alse wol,
daz ich gesitze
vil gar âne witze
non weiz, war ich sol.
Lied XXVII: Si hât mich verwunt
1
Si hât mich verwunt rehte aldurch mîn
sêle
in den vil toetlîchen grunt,
dô ich ir tet kunt, daz ich tobte unde quêle
umb ir vil güetlîchen munt.
Den bat ich zeiner stunt, daz er mich ze dienste
ir bevêle und daz er mir stêle
von ir ein senftez küssen, sô waer ich iemer gesunt.
2
Wie wirde ich gehaz ir vil rôsevarwen munde,
des ich noch niender vergaz!
doch sô müet mich daz, daz si mir zeiner
stunde
sô mit gewalt vor gesaz.
Des bin ich worden laz, alsô daz ich vil
schiere wol gesunde in der helle grunde
verbrunne, ê ich ir iemer diende, in wisse umbe waz.
Lied XXVIII: Ich bin keiser âne krône
1
Ich bin keiser âne krône, sunder lant:
daz meinet mir der muot;
der gestuont mir nie sô schône. danc
ir liebes, diu mir sanfte tuot. Daz schaffet mir
ein vrowe vruot. dur die sô
wil ich staete sîn, wan in gesach nie wîp
sô rehte guot.
2
'Gerne sol ein rîter ziehen sich ze guoten
wîben. dêst mîn rât.
boesiu wîp diu sol man vliehen. er ist tump,
swer sich an sî verlât,
Wan sîne gebent niht hohen muot.
iedoch sô weiz ich einen man,
den ouch die selben vrowen dunkent guot.
3
Mirst daz herze worden swaere. seht, daz schaffet
mir ein sende nôt.
ich bin worden dem unmaere, der mir dicke sînen
dienest bôt. Owê, war
umbe tuot er daz?
und wil er sichs erlouben niht,
sô muoz ich im von schulden sîn gehaz.'
Lied XXIX: Wie sol vröidelôser tage
1
Wie sol vröidelôser tage mir und sender
jâre iemer werden rât?
sô ist daz aber mîn hoehste klage,
daz uns beide, an sange, an vröide, missegât.
Sît daz diu werlt mit sorgen sô gar betwungen
stât, maniger swîget nu, der doch
dicke wol gesungen hât.
2
Ich was eteswenne vrô, dô mîn
herze wânde nebent der sunnen stân.
dur die wolken sach ich hô. nû muoz
ich mîn ouge nider zer erde lân. Mich
triuget alze sêre ein vil minneclîcher wân,
sît daz ich von ir niht wan leit und herzeswaere
hân.
3
Wil si vrömden mir dur daz, dazs ein lützel
ist mit valscher diet behuot?
dêst ein swacher vriundes haz, daz si mit
den andern mir sô leide tuot. Ez hoeret
niht ze liebe ein sô kranker vriundes muot.
wil aber sî die huote alsô triegen, dâst uns beiden
guot.
Lied XXX: Owê, sol aber mir iemer mê
1
Owê, --
Sol aber mir iemer mê geliuhten dur die
naht
noch wîzer danne ein snê ir lîp
vil wol geslaht? Der trouc diu ougen
mîn. ich wânde, ez solde
sîn des liehten mânen
schîn. Dô
tagte ez.
2
'Owê --
Sol aber er iemer mê den morgen hie betagen?
als uns diu naht engê, daz wir niht durfen
klagen: 'Owê, nu ist ez tac,'
als er mit klage pflac,
dô er jungest bî mir lac.
Dô tagte ez.'
3
Owê, --
Si kuste âne zal in dem slâfe mich.
dô vielen hin ze tal ir trehene nider sich.
Iedoch getrôste ich sie,
daz sî ir weinen lie
und mich al umbevie.
Dô tagte ez.
4
'0wê,-
Daz er sô dicke sich bî mir ersehen
hât!
als er endahte mich, sô wolt er sunder wât
Mîn arme schouwen blôz.
ez was ein wunder grôz,
daz in des nie verdrôz.
Dô tagte ez.'
Lied XXXI: Hât man mich gesehen in sorgen
1
Hât man mich gesehen in sorgen, des ensol
niht mêr ergân.
wol vröiwe ich mich alle morgen, daz ich
die vil lieben hân Gesehen
in ganzen vröiden gar.
nu vliuch von mir hin, langez trûren!
ich bin aber gesunt ein jâr.
2
Sî kan durch diu herzen brechen sam diu
sunne dur daz glas.
ich mac wol von schulden sprechen: "si ganzer
tugende ein adamas!" Sô ist
diu liebiu vrowe mîn
ein wunnebernder süezer meije,
ein wolkelôser sunnen schîn.
3
Ob si mînre nôt, diu guote, wolde
ein liebez ende geben,
mit den vrôn in hôhem muote saehe
man mich danne leben. Die wîle
sô daz niht ist beschehen,
sô muoz man bî der ungemuoten
schar mich in den sorgen sehen.
Lied XXXII: Mir ist geschehen als einem kindelîne
1
Mir ist geschehen als einem kindelîne, daz
sîn schoenez bilde in einem glase gesach
unde greif dar nâch sîn selbes schîne
sô vil, biz daz ez den spiegel gar zerbrach.
Dô wart al sîn wunne ein leitlich ungemach.
alsô dâhte ich iemer vrô ze sîne,
dô ich gesach die lieben vrouwen mîne,
von der mir bî liebe leides vil geschach.
2
Minne, diu der werelde ir vröude mêret,
seht, diu brâhte in troumes wîs die vrouwen mîn,
dâ mîn lîp an slâfen was gekêret
und ersach sich an der besten wunne sîn.
Dô sach ich ir liehten tugende, ir werden schîn,
schoen unde ouch vür alle wîp gehêret,
niuwen daz ein lützel was versêret
ir vil vröuden rîchez (rôtez) mündelîn.
3
Grôz angest hân ich des gewunnen,
daz verblîchen süle ir mündelîn sô
rôt.
des hân ich nu niuwer klage begunnen, sît
mîn herze sich ze sülher swaere bôt,
Daz ich durch mîn ouge schouwe sülhe nôt
sam ein kint, daz wîsheit unversunnen
sînen schaten ersach in einem brunnen und
den minnen muoz unz an sînen tôt.
4
Hôher wîp von tugenden und von sinnen
die enkan der himel niender ummevân
sô die guoten, die ich vor ungewinne vremden
muoz und immer doch an ir bestân. Owê
leider, jô wânde ichs ein ende hân
ir vil wunnenclîchen werden minne.
nû bin ich vil kûme an dem beginne.
des ist hin mîn wunne und ouch mîn gerender wân.
Lied XXXIII1: Ich wil ein reise
1
Ich wil ein reise. wünschent, daz ich wol
gevar.
dâ wirt manic weise, diu lant wil ich brennen
gar. Mîner vrowen rîche,
swaz ich des bestrîche,
daz muoz allez werden verlorn,
sî enwende mînen
zorn.
2
Helfet singen alle, mîne vriunt, und zieht
ir zuo
mit (.....) schalle, daz si mir genâde tuo.
Schrîet, daz mîn smerze
mîner vrowen herze
breche und in ir ôren gê.
sî tuot mir ze lange
wê.
3
Vrowe, ich wil mit hulden reden ein wênic
wider dich.
daz solt dû verdulden. zürnest dû,
sô swîge aber ich.
† Wiltu dîne jugende kroenen wol mit
tugende, sô
wis mir genaedic, süeziu vruht,
und troeste mich dur dîne
zuht. †
Lied XXXIII2: Ich wil immer singen
1
Ich wil immer singen dîne hôhen wirdekeit
und an allen dingen dînen hulden sîn
gereit. Vrouwe, ich kan niht wenken
<.................. .>
hâstu tugende und
êren vil, daz
wolte ich und immer wil.
2
Sie sint unverborgen, vrouwe, swaz du tugende
hâs.
den âbent und den morgen sagent si allez,
daz du begâs. Dîne redegesellen
die sint, swie wir wellen,
guoter worte und guoter site.
dâ bist du getiuret
mite.
3
Vrouwe, ich wil mit hulden reden ein wênic
wider dich.
daz solt dû verdulden. zürnest dû,
sô swîge aber ich. Wilt
du dîner jugende kumen gar
zuo tugende, sô
tuo vriunden vriuntschaft schîn,
swie dir doch ze muote sî.
4
Nieman sol daz rechen, ob ich hôhe sprüche
hân. wâ von sol der sprechen,
der nie hôhen muot gewan?
Ich hân hôchgemüete.
vrouwe, dîne güete,
sît ich die alrêrst sach,
sô weste ich wol, waz ich sprach.
Lied XXXIV: Vil süeziu senftiu toeterinne
Vil süeziu senftiu toeterinne, war umbe welt
ir toeten mir den lîp,
und ich iuch sô herzeclîchen minne,
zwâre vrouwe, vür elliu wîp?
Waenent ir, ob ir mich toetet,
daz ich iuch iemer mêr beschouwe?
nein, iuwer minne hât mich des
ernoetet, daz iuwer
sêle ist mîner sêle vrouwe.
sol mir hie niht guot
geschehen
von iuwerm werden lîbe,
sô muoz mîn sêle
iu des verjehen,
dazs iuwerre sêle dienet dort als einem
reinen wîbe.
Lied XXXV: Lange bin ich geweset verdâht
Lange bin ich geweset verdâht und unvrô
von rehter minnen.
nû hât men mir maere brâht,
der ist vrô mîn herze inbinnen. Ich
sol trôst gewinnen von der
vrowen mîn. wie möht
ich danne trûric sîn?
ob ir rôter munt
tuot mir vröide kunt,
sô getrûr ich niemer
mê.
ez ist quît, was mir wê.
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